Martin Jordan)

Zu Besuch im LOGOI-Institut – „Wir behandeln hier Grundfragen der Philosophie. Diese Fragen stellt sich jeder irgendwann.“

[English version bellow]

„Philosophie ist, worauf man beinahe von selbst gekommen wäre.“ Dieser Satz von Hans Blumenberg ziert neben einer Skulptur eines ausgestopften Hühnchens den Flyer von LOGOI. LOGOI ist in Aachen einzigartig. Selbst verstehen sie sich als ein unabhängiges Institut für Philosophie und Diskurs. Doch was bedeutet das? Ich statte dem Institut einen Besuch ab.

Es ist ein kalter Wintertag, heute besuche ich das LOGOI-Institut. Verabredet sind wir für 12 Uhr. Ich bin einige Minuten zu früh, gehe vorbei an der großen Fensterfront des Instituts zur Tür und klopfe kurz. Von Susanne Vaaßen und Ines Finkeldei werde ich nett hereingebeten. Die beiden Damen sitzen an einem großen Tisch inmitten des lichtgefluteten Instituts. An den Wänden hängen zahlreiche Bilder, auf dem Tisch ist nichts außer Kaffee, Zettel, Stifte und Laptops. Susanne Vaaßen studierte in Aachen, Marburg und Wien Philosophie, Neuere deutsche Literaturgeschichte und Kunstgeschichte, bevor sie bei LOGOI tätig wurde, Ines Finkeldei studierte in Aachen Baugeschichte, Kunstgeschichte und Politische Wissenschaft. Sofort wird auch mir ein Kaffee angeboten und ich kann mich etwas im Institut umsehen. Ines Finkeldei erklärt mir, was es mit der Hühnchen-Skulptur auf sich hat, die in einer Vitrine neben einem Sofa im Eingangsbereich des Instituts steht. „Über die Jahre hat sie sich zu unserem Markenzeichen entwickelt“, erzählt sie. Vor Jahren war die Skulptur vom Aachener Künstler Masoud Khamoshkoo Teil einer Ausstellung, die im LOGOI-Institut stattfand, mittlerweile gehört sie dem Institut und ist nicht mehr wegzudenken.

(Foto: Florian Weber)

Wir setzen uns an den großen Tisch, trinken Kaffee und beginnen zu plaudern. Susanne Vaaßen dreht den Bildschirm ihres Laptops in meine Richtung und erzählt offen davon, woran sie gerade arbeitet. „Wir gestalten gerade einen Kalender für das kommende Jahr“, erzählt sie und blättert durch die Seiten. Eine Doppelseite pro Monat, die jeweils mit einem Zitat und einem Bild aufgehübscht ist. „Die Bilder stammen nur von Künstlern, die hier bereits ausgestellt haben“, fügt sie an. Denn LOGOI ist mehr als ein Institut für Philosophie, hier soll eben auch Diskurs stattfinden – und damit auch ein kulturübergreifender Diskurs. Das Institut nahm in diesem Jahr an der Aachener Kunstroute teil und veranstaltet auch sonst regelmäßig Ausstellungen. Doch damit nicht genug, bei LOGOI finden Lesungen, Konzerte, Tischgespräche, Workshops und Vorträge zu Politik, Literatur und Kunst statt. Es soll ein offener Raum für alle sein, die gerne in den Diskurs treten und über die existenziellen Fragen unserer Zeit sinnieren. „Wir behandeln hier Grundfragen der Philosophie, die Veranstaltungen sind ein Zugang dazu. Diese Fragen stellt sich jeder irgendwann“, erzählt Dr. Jürgen Kippenhan, der sich nach einer kleinen Verspätung und einem schnellen Kaffee ebenfalls zu uns gesellt.

Dr. Jürgen Kippenhan gründete das LOGOI-Institut im Jahre 2009 mit der Vision, einen Anziehungspunkt für diejenigen zu schaffen, die sich der Welt offen zuwenden und philosophische Vertiefung suchen – intellektuell oder auch sonst. So steht es im Flyer des Instituts. Selbst studierte er in Heidelberg Philosophie und Sozialwissenschaften, war jahrelang Lehrbeauftragter des Philosophischen Institut der RTWH Aachen und gastierte als Dozent in Brasilien. Den Entschluss, einen eigenen, öffentlichen Ort zu gründen, an dem Philosophie stattfinden soll, fasste er, weil ihm „die Strukturen an der Universität irgendwann zu festgefahren waren“. Philosophie betrifft alle Lebensbereiche und muss deswegen näher an die Menschen, darum geht es ihm und seinen Mitarbeiterinnen mit dem Institut.

In den zwei Stunden meines Besuchs unterhalten wir uns angeregt. Wir sprechen darüber, wie man bereits in den Schulen Interesse für Philosophie wecken kann, über die Aachener Kulturszene und über kommende, sowie vergangene Projekte des Instituts. Dr. Kippenhan zitiert Platon, Hegel und erklärt, dass der berühmte Satz, „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, fälschlicherweise Sokrates statt Cicero zugesprochen wird. Sämtliche Ideen werden ausgetauscht und vor allem eines fällt besonders auf: Hier wird sich zugehört, es wird sich ausreden gelassen und man gewinnt den Eindruck, hier hat jeder ehrliches Interesse an den Gedanken seines Gegenübers. Der Austausch ist angenehm und aufschlussreich, belehrend und belebend zugleich. Einen ordentlichen Diskurs zu führen, das steht hier im Vordergrund – und jeder der Spaß daran hat, seine Gedanken zu teilen oder an den Gedanken anderer Leute teilhaben möchte, für den ist LOGOI einen Besuch wert.

Das Team: Susanne Vaaßen (links), Ines Finkeldei (rechts), Dr. Jürgen Kippenhan (vorne). (Foto: Florian Weber)

Doch Diskurs von Mensch zu Mensch ist aus bekannten Gründen seit Monaten in größeren Gruppen nicht mehr möglich. Deswegen verlegte das Institut Vorträge, Ausstellungen und Diskussionen in den digitalen Raum. Der Vorteil daran: Die vergangenen Veranstaltungen kann sich jeder zu jeder Zeit anschauen.

„Doch auch aus philosophischer Perspektive ist diese Zeit der Kontaktbeschränkung interessant“, erzählt Dr. Jürgen Kippenhan und führt fort: „Eine Reflexion dieser Zeit bietet sich für uns als Projekt an.“ Nur eine von etlichen Ideen, die an diesem Tag geäußert werden. Doch auch Spruchreifes ist für die Zukunft bereits geplant. Neben einigen Kunstausstellungen wird das LOGOI-Institut im kommenden Jahr unter anderem Vorträge mit dem Fokus auf „Tierethik“ veranstalten, sich mit der Frage beschäftigen, ob von China die Bedrohung einer globalen Übermacht ausgeht und wieder an der Aachener Kunstroute sowie den jüdischen Kulturtagen teilnehmen. Außerdem ist in Kooperation mit der „Albert Camus Gesellschaft“ ein Festival geplant, dass sich umfassend mit dem berühmten Existenzialisten und Nobelpreisträger beschäftigt.

In der Vergangenheit waren bereits bekannte Gäste wie Iris Radisch, Hartmut Rosa und Gert Scobel zu Gast bei LOGOI. Und ich kann auch Ihnen ans Herz legen, dem Institut mal einen Besuch abzustatten. Egal ob digital oder analog, es macht großen Spaß!

Das Institut LOGOI befindet sich in der Jakobsstraße 25a. Weitere Informationen finden Sie auf der Website: https://www.logoi.de/

English Version:

„Philosophy is what you almost came up with on your own.“ This sentence by Hans Blumenberg adorns the flyer of LOGOI next to a sculpture of a stuffed chicken. LOGOI is unique in Aachen. They see themselves as an independent institute for philosophy and discourse. But what does that mean? I pay a visit to the institute.

It is a cold winter day, today I visit the LOGOI Institute. We have an appointment for 12 o’clock. I am a few minutes early, walk past the large window front of the institute to the door and knock briefly. Susanne Vaaßen and Ines Finkeldei invite me in nicely. The two ladies are sitting at a large table in the middle of the light-flooded institute. Numerous pictures hang on the walls, and there is nothing on the table but coffee, notes, pens and laptops. Susanne Vaassen studied philosophy, modern German literary history and art history in Aachen, Marburg and Vienna before joining LOGOI; Ines Finkeldei studied architectural history, art history and political science in Aachen. Immediately I am also offered a coffee and I can look around the institute a bit. Ines Finkeldei explains to me what the chicken sculpture is all about, which stands in a display case next to a sofa in the entrance area of the institute. „Over the years, it has become our trademark,“ she tells me. Years ago, the sculpture by Aachen-based artist Masoud Khamoshkoo was part of an exhibition held at the LOGOI Institute, and now it belongs to the institute and is indispensable.

We sit down at the large table, drink coffee and start chatting. Susanne Vaaßen turns the screen of her laptop in my direction and talks openly about what she is currently working on. „We’re designing a calendar for the coming year,“ she says, flipping through the pages. One double-page spread per month, each spruced up with a quote and a picture. „The pictures are only from artists who have already exhibited here,“ she adds. After all, LOGOI is more than an institute for philosophy; discourse is also supposed to take place here – and thus also a cross-cultural discourse. This year, the institute took part in the Aachen Art Route and also organizes exhibitions on a regular basis. But that’s not all: LOGOI hosts readings, concerts, table discussions, workshops and lectures on politics, literature and art. It is meant to be an open space for anyone who likes to engage in discourse and ponder the existential questions of our time. „We deal with basic questions of philosophy here, and the events are an approach to them. Everyone asks themselves these questions at some point,“ says Dr. Jürgen Kippenhan, who also joins us after a short delay and a quick coffee.

Dr. Jürgen Kippenhan founded the LOGOI Institute in 2009 with the vision of creating a point of attraction for those who turn to the world with an open mind and seek philosophical deepening – intellectually or otherwise. That’s what the institute’s flyer says. He himself studied philosophy and social sciences in Heidelberg, was a lecturer at the Institute of Philosophy at the RTWH Aachen for many years, and was a guest lecturer in Brazil. He made the decision to found his own, public place where philosophy should take place because „at some point the structures at the university became too bogged down“ for him. Philosophy affects all areas of life and therefore needs to be closer to the people, which is what he and his colleagues are aiming for with the institute.

During the two hours of my visit, we talk animatedly. We talk about how to arouse interest in philosophy already in schools, about the Aachen cultural scene and about upcoming, as well as past projects of the institute. Dr. Kippenhan quotes Plato, Hegel and explains that the famous sentence, „I know that I know nothing,“ is wrongly attributed to Socrates instead of Cicero. All ideas are exchanged and one thing in particular stands out: Here, people listen to each other, let each other finish what they have to say, and one gets the impression that everyone here is genuinely interested in the thoughts of their counterparts. The exchange is pleasant and informative, instructive and invigorating at the same time. Having a proper discourse, that’s the main focus here – and anyone who enjoys sharing their thoughts or wants to participate in other people’s thoughts, LOGOI is worth a visit.

But for well-known reasons, person-to-person discourse has no longer been possible in larger groups for months. That’s why the institute moved lectures, exhibitions and discussions to the digital space. The advantage of this is that anyone can view past events at any time.

„But this period of limited contact is also interesting from a philosophical perspective,“ Dr. Jürgen Kippenhan tells us, and continues, „A reflection on this period lends itself to us as a project.“ This is just one of a number of ideas that are voiced on this day. But there are also plans for the future. In addition to several art exhibitions, the LOGOI Institute will organize lectures in the coming year with a focus on „animal ethics,“ deal with the question of whether China poses the threat of a global superpower, and once again participate in the Aachen Art Route and the Jewish Culture Days. In addition, a festival is planned in cooperation with the „Albert Camus Society“ that will deal comprehensively with the famous existentialist and Nobel Prize winner.

In the past, well-known guests such as Iris Radisch, Hartmut Rosa and Gert Scobel have been guests at LOGOI. And I can also recommend that you pay the institute a visit. Whether digital or analog, it’s great fun!

Website: logoi.de

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